© Jens Endler
Aktuelle Meldung des PRO BAHN Landesverbandes Berlin-Brandenburg e.V.
13.03.2024

Die Präferenz des Senats für eine Gleichstrom S-Bahn auf der Nahverkehrstangente Ost ist fachlich nicht nachvollziehbar

PRO BAHN und das Bündnis Schiene: Jetzt einen fundierten “Kosten-Nutzen-Vergleich” mit der Wechselstrom-Regio-S-Bahn

PRO BAHN Berlin/Brandenburg äußert sich irritiert über die Präferenz des Senats
zugunsten einer Gleichstrom-S-Bahn auf der Nahverkehrstangente Ost. Die von mehreren
Verbänden dargelegten Vorteile einer Wechselstrom-Regio-S-Bahn scheinen nicht in die
Entscheidung einbezogen worden zu sein. Für die Regio-S-Bahn wurden ungerechtfertigt
schlechtere Ausgangsbedingungen in Bezug auf Takt und Stationsabstände festgelegt.
Damit würden der Erschließung des Umlandes auf lange Sicht viele Chancen genommen.

Das Wort „Tangente“ fordert geradezu heraus, über die Grenzen Berlins hinaus zu denken.

Eigentlich erschien es auch allen logisch. Die meisten S-Bahnen in Deutschland fahren mit Wechselstrom, halten – wie in Berlin – dicht getaktet an Stationen mit bedarfsgerechten Abständen. Vorteil gegenüber dem abweichenden Berliner Gleichstrom-System ist dabei die Flexibilität bei der Nutzung durch weiterführende Regio-Strecken ins Umland der Metropolen.

In der Diskussion über die Umsetzung der Nahverkehrstangente Ost hat der Senat eine Bewertung der beiden möglichen Stromsysteme für die Strecke vorgenommen. Das Problem besteht jedoch darin, dass die Bewertung fachlich nicht fundiert ist und einseitig das Gleichstromsystem bevorzugt.

Ein wesentlicher Grund für die Bevorzugung des Gleichstromsystems ist die Einschränkung des Bewertungsbereichs. Anstatt alle relevanten Vor- und Nachläufe der Strecke objektiv zu
berücksichtigen, wurde das Untersuchungsgebiet auf den Bereich zwischen Springpfuhl im Norden und Grünau im Süden beschränkt. Dadurch können die Netzvorteile des Wechselstromsystems nicht angemessen berücksichtigt werden.

Durch die einseitige Festlegung auf das Gleichstromsystem verbaut der Senat viele gute Gründe für die Nahverkehrstangente Ost.

Während das Gleichstromsystem für die Innenstadt sinnvoll ist – zum Beispiel aufgrund einfacherer Trassierungen, da Brücken und Tunnel auf ein geringeres Lichtraumprofil zurückgreifen können – kommen diese Vorteile im Bereich der Außenbezirke, wo die Nahverkehrstangente Ost gebaut werden soll, nicht zum Tragen. Hier wäre eine leistungsfähige Anbindung der Strecke an das weiträumigere regionale Wechselstromnetz wesentlich vorteilhafter.

Die Vorteile der Wechselstromlösung im Vergleich zur Gleichstromlösung sind:

  • Direktverbindungen in das weitere Umland
  • Deutlich bessere Beschleunigung der Fahrzeuge und höhere Geschwindigkeiten
  • Möglichkeit zur Ausstattung der Fahrzeuge mit Toiletten
  • Schnellere Anbindung an den Flughafen über die östliche Zufahrt ohne den Umweg
    über Waßmannsdorf
  • Direktverbindungen auch vom südlichen Abschnitt der Nahverkehrstangente Ost zur
    Stadtbahn
  • Dadurch wesentlich höherer Nutzen für die anstehende Nutzen-Kosten-Untersuchung
  • Im Nebeneffekt eine Umfahrungsmöglichkeit bei Störungen auf anderen Strecken

Wenn man der Punktebewertung des Senats für beide Varianten die gleichen Stationen und
die dichteren Takte der Regio-S-Bahn zugrunde legt, erreicht die Wechselstrom-Regio-S-Bahn nicht nur 3, sondern 11 Punkte, im Vergleich zu 5,5 Punkten der Gleichstrom-S-Bahn.
PRO BAHN und das Bündnis Schiene erwarten nun eine sachlich objektive Gegenüberstellung
der beiden Varianten. Die vom Senat vorgebrachten Gründe halten nach unserer Analyse
den guten Argumenten für eine Wechselstrom-Regio-S-Bahn nicht stand. Unser Vergleich
mit dem Zielkonzept des Bündnisses Schiene Berlin-Brandenburg bestätigt dies.

(Siehe Anhang)

Andreas Schack meint dazu: „Das Gesprächsangebot in Richtung Senat hat weiter Bestand.
Im Sinne eines zukunftsweisenden Verkehrsausbaus unserer Stadt leisten wir gerne unseren
Beitrag.“

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