Unser Landesvorstandsmitglied Hans Leister nimmt Stellung: Warum längere Umsteigezeiten keine Lösung sind – und was stattdessen passieren muss.
- 1. Juli 2025
- 2 Min. Lesezeit

Direktverbindungen vom Ausgangsort zum Ziel sind eine feine Sache. Doch damit kann man nicht alle Verkehrsbedürfnisse abdecken. Umsteigen erweitert die Zahl erreichbarer Ziele. Umsteigen muss also sein. Idealerweise funktioniert es wie in der Schweiz oder Österreich: von überall nach überall, mit guten Reiseketten, oft am gleichen Bahnsteig, immer mit guter Information und Wegeleitung.
Vertrauen verspielt
Was ist die richtige Umsteigezeit? Wo die Bahn zuverlässig funktioniert, gibt es Anschlüsse mit zwei oder drei Minuten Umsteigezeit, denen die Fahrgäste vertrauen. Bei uns ist viel Vertrauen verloren gegangen, weil die Verkehrsunternehmen und Verbünde es verspielt haben. Anschlussverbindungen müssen funktionieren. Funktionieren heißt:
Bei kleineren Verspätungen wird gewartet.
Bei Anschlussverlusten bekommen Fahrgäste aktiv eine Alternative mitgeteilt – direkt aufs Mobiltelefon und per Durchsage.
Der Umsteigeweg ist leicht zu finden.
Das Zugpersonal nimmt auch noch diejenigen mit, die erst 15 Sekunden nach Zeigersprung die Zugtür erreichen.
Wenn der Zug doch weg ist, gibt es am Bahnhof Verpflegung und Toilette.
Schön wär's.
Was sich ändern muss
Fernverkehrs- und Nahverkehrsbetreiber müssen wieder als System funktionieren. Informationsaustausch über Anschlussfahrgäste muss wieder die Regel sein. Mein Vorschlag: Beim Einchecken sollte der Anschlusswunsch miterfasst werden. Auch Fahrgäste, die nur im Nahverkehr unterwegs sind, sollten ihre Fahrt „buchen" und einchecken – selbst mit Deutschlandticket. Idealerweise gibt es einen „digitalen Zwilling" jeder Fahrgast-Fahrt im System. Das System kann dann bei kritischen Anschlüssen automatisch reagieren. Niemand muss nachfragen, ob es Anschlusswünsche gibt.
Bei Anschlussverlust erfolgt die Fahrgastinformation automatisiert aufs Mobiltelefon. Gleichzeitig wird sie aber auch in die Durchsagen an den Bahnhöfen eingespielt.
Keine pauschale Verlängerung
Umsteigen muss sein. An Dauer-Verspätungen sollte man sich gar nicht erst gewöhnen. Mehr als fünf Minuten Reserve sollten nicht eingeplant werden. Gut, bei der derzeit katastrophalen Zuverlässigkeit muss man sich vielleicht auch Übergangslösungen ausdenken. Bei Reiseauskünften im Internet sollten Anschlüsse unter zehn Minuten zwischen Fernverkehrszügen KI-gesteuert mit einem Hinweis versehen werden: „Sollen wir Ihnen auch Verbindungen mit einer längeren Übergangszeit anbieten?"
Aber: Alle Zeiten pauschal zu verlängern, wäre ein Rückschritt und sollte nicht angestrebt werden. Vor allem würde das Vertrauen der Fahrgäste in das System öffentlicher Verkehr wieder steigen, wenn die Bahnen und Aufgabenträger besser mit dem Thema Anschluss umgehen. Digitalisierung kundenorientiert gedacht – so ungefähr könnte sie aussehen.
Fazit
Die Herausforderungen im öffentlichen Verkehr sind vielfältig. Es ist wichtig, dass die Verantwortlichen die Bedürfnisse der Fahrgäste ernst nehmen. Nur so kann das Vertrauen in das System wiederhergestellt werden.
Ein gut funktionierendes Verkehrssystem ist entscheidend für die Mobilität der Menschen. Es ermöglicht nicht nur eine einfache Fortbewegung, sondern trägt auch zur Lebensqualität bei.
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Hans Leister ist Mitglied im Landesvorstand PRO BAHN Berlin-Brandenburg. Dieser Beitrag erschien in der Rubrik „Standpunkte" in der Fahrgast 3/2025.

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