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PRO BAHN fordert Bundesregierung auf: Erst Voraussetzungen schaffen, dann generalsanieren

30. Sept.
2 Min. Lesezeit
Material zur Sanierung der Bahn

Die Generalsanierung stark belasteter Bahnstrecken mit Vollsperrung ist als Konzept richtig gedacht: Statt jahrelanger Dauerbaustellen im laufenden Betrieb soll konzentriert und zügig saniert werden. PRO BAHN Berlin-Brandenburg unterstützt diesen Ansatz ausdrücklich – warnt aber eindringlich davor, ihn auf halber Strecke scheitern zu lassen. Zwei entscheidende Voraussetzungen fehlen – damit steht das gesamte Konzept grundsätzlich infrage.


Zwei Voraussetzungen für die Generalsanierung fehlen bislang


Damit das Konzept funktioniert und am Ende auch etwas besser wird, braucht es zwei Dinge:

  1. Ausreichende Ersatzkapazitäten vor Beginn der Sperrung. Aktuell fehlt dafür das dritte Gleis zwischen Berlin und Hannover; rückblickend hat bereits das fehlende zweite Gleis zwischen Stendal und Uelzen gezeigt, wie eng die Reserven ohne solche Ausweichkapazitäten werden.

  2. Eine flächendeckende ETCS-Ausrüstung aller Triebfahrzeuge – finanziert vom Bund. Nur wenn wirklich alle auf der Strecke verkehrenden Fahrzeuge das neue Zugsicherungssystem beherrschen, kann eine Strecke anschließend konsequent "ETCS only" betrieben werden. Immer wieder verzögert sich die Sperrung weil Signale und Fachleute für die alte Technik fehlen.

Erst wenn beide Voraussetzungen erfüllt sind, trägt das Konzept der Generalsanierung mit Vollsperrung auch tatsächlich das, was es verspricht.


Ein Bild, das die Lage trifft


Um zu verdeutlichen, wie widersprüchlich das aktuelle Vorgehen ist, greifen wir zu einem Vergleich aus dem Alltag: Es ist, als würde ein uneinsichtiger Hausbesitzer die Komplettsanierung seines – noch dazu mieterfreien – Hauses beginnen, obwohl die versprochenen Ersatzwohnungen für die Bewohner noch gar nicht fertiggestellt sind. Und als reiche das nicht, will er aus Spargründen ausgerechnet die alten Kohleöfen wieder einbauen lassen – für die es kaum noch jemanden gibt, der sie fachgerecht installieren kann.

Genau in dieser Lage befindet sich die Bundesregierung: Sie beauftragt ihren Generalunternehmer DB InfraGO mit einer Aufgabe, die sich unter den derzeitigen Rahmenbedingungen schlicht nicht seriös umsetzen lässt. Am Ende dieser Rechnung verlieren alle Beteiligten – Fahrgäste, Bahnunternehmen und letztlich auch die Steuerzahlenden, die die entstehenden Folgekosten tragen.


Was PRO BAHN von der Bundesregierung fordert


Damit aus einem guten Konzept auch tatsächlich ein funktionierendes Sanierungsprogramm wird, fordert PRO BAHN die Bundesregierung auf, an drei Stellschrauben zu drehen:

  • ETCS konsequent als alleinige Zugsicherung ausbauen – und im Gegenzug die notwendige ETCS-Ausrüstung der Lokomotiven und Triebfahrzeuge gezielt und umfassend finanzieren, statt die Kosten den einzelnen Eisenbahnverkehrsunternehmen aufzubürden.

  • Leistungsfähige, elektrifizierte Ausweichstrecken schaffen und ausbauen – und dort, wo es die Kapazität erfordert, auch neue Strecken bauen, statt sich auf ein ohnehin schon überlastetes Restnetz zu verlassen.

  • Die Infrastruktur endlich dauerhaft und verlässlich finanzieren – mit einem langfristigen Infrastrukturfonds, der Investitionen von der jeweiligen Haushaltslage entkoppelt, statt sie Jahr für Jahr neu zur Disposition zu stellen.


Erst wenn diese drei Punkte angegangen werden, hat die Generalsanierung mit Vollsperrung eine echte Chance, das zu leisten, wofür sie eigentlich gedacht ist: eine modernere, zuverlässigere Eisenbahn – und keine, die auf dem Rücken der Fahrgäste an ihren eigenen Ansprüchen scheitert.



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