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Berlins Straßenbahn wartet auf grünes Licht – und das seit Jahrzehnten

  • vor 1 Tag
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 1 Stunde

LieblingsbusfahrerIn

Ein Kommentar von PRO BAHN Berlin Brandenburg


Beim Berliner Nahverkehrsplan 2026–2028 haben wir als Fahrgastverband eine klare Meinung: Es ist gut, dass der Plan endlich vorliegt. Es ist schlecht, dass er zweieinhalb Jahre zu spät kommt. Und es ist inakzeptabel, dass er beim Thema Straßenbahnausbau hinter dem zurückbleibt, was fachlich längst beschlossen war.


Was wir im Ausschuss gesagt haben – und warum

Am vergangenen Mittwoch war PRO BAHN zu Gast im parlamentarischen Mobilitätsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Unser Landesvorstandsmitglied Karsten Kranich hat dort deutlich gemacht: Berlin kann es sich gar nicht erlauben, auf neue Straßenbahnstrecken zu verzichten. Insbesondere die Neubaugebiete an den Stadträndern sind in überschaubarer Zeit und zu realistischen Kosten zunächst nur per Tram gut zu erschließen.

Das ist keine politische Forderung, sondern eine verkehrliche Tatsache. Bezogen auf die Transportleistung ist die Straßenbahn dem Bus weit überlegen: effizienter bei Personal- und Flächenbedarf, bequemer, zuverlässiger und barriereärmer. Wer neue Wohngebiete baut und gleichzeitig auf Straßenbahn verzichtet, schafft Abhängigkeiten vom Auto, die sich über Jahrzehnte nicht mehr rückgängig machen lassen.


Was der Nahverkehrsplan verschweigt

Der von der Verkehrsverwaltung erarbeitete Entwurf fokussiert sich auf Vorhaben, die bis 2028 begonnen werden können – gegenüber früheren Plänen sind manche Projekte in eine fernere Zukunft verschoben worden. Das klingt nüchtern, hat aber konkrete Folgen für echte Menschen.


Unsere Kolleginnen und Kollegen vom Bündnis Pro Straßenbahn haben es im Ausschuss beim Namen genannt: Die Trasse vom Alexanderplatz über den Potsdamer Platz nach Steglitz wird weiterhin von völlig überlasteten und im Stau steckenden Bussen bedient – obwohl die Straßenbahn hier die objektiv richtige Lösung wäre. Für die Verbindung Johannisthal–Gropiusstadt wurde der einst anhand klarer Kriterien definierte „dringliche Bedarf" einfach gestrichen und die Planung gestoppt. Und in Spandau? Dort könnte die Straßenbahn das chronisch überlastete Busnetz ergänzen – wenn die Politik nur wollte. Die Debatte läuft dort seit Jahrzehnten.


Politische Blockade statt sachlicher Abwägung

Was uns als Fahrgastverband am meisten besorgt: Es geht hier offenbar nicht um fehlende Mittel oder planerische Hindernisse. Experten warfen der Verkehrsverwaltung vor, an mehreren Stellen aus rein politischen Gründen die Tram als objektiv beste Lösung zu verhindern. Verkehrssenatorin Bonde (CDU) ist dieser Kritik im Ausschuss nicht konkret entgegengetreten.

Dazu passt ein weiterer Befund: Seit Jahren wird die Beschleunigung von Bus und Tram versprochen, während die Fahrzeuge in der Realität immer langsamer werden. Die BVG braucht deshalb immer mehr Fahrzeuge und Personal bei gleichem Takt – während für die Fahrgäste die Qualität sinkt. Selbst BVG-Chef Falk räumte ein, dass Berlin beim Thema Beschleunigung „ein Umsetzungsproblem" habe, das weder an Geldmangel noch an Formalien liege, sondern am mangelhaften Management.


Unsere Forderung: Straßenbahn jetzt planen – nicht auf 2040 verschieben

Die Straßenbahn ist kein Prestigeprojekt und kein ideologisches Symbol. Sie ist das effizienteste Mittel, um wachsende Stadtteile schnell, günstig und klimafreundlich an den Nahverkehr anzubinden. Die verlängerte M10 übertrifft alle Fahrgastprognosen – das ist der beste Beweis, dass Berlinerinnen und Berliner die Tram annehmen, wenn man sie ihnen anbietet.


Wir fordern den Senat auf, den Nahverkehrsplan nachzubessern und die gestrichenen Straßenbahnprojekte wieder in den Planungshorizont aufzunehmen. Die Frage ist nicht, ob Berlin neue Tramstrecken braucht. Die Frage ist nur, wie viel Zeit und Lebensqualität noch verloren gehen dürfen, bevor die Politik handelt.


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