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Die Ostbahn gehört endlich in den vordringlichen Bedarf

  • vor 1 Tag
  • 2 Min. Lesezeit

Der PRO BAHN Landesverband Berlin-Brandenburg reagiert mit Fassungslosigkeit:

Der Ausbau der Ostbahn soll weiterhin nicht in den vordringlichen Bedarf eingeordnet werden.

Für den Fahrgastverband ist das eine Fehlentscheidung mit weitreichenden Folgen – und ein Beispiel dafür, wie kurzsichtig Schieneninfrastruktur in Deutschland derzeit bewertet wird.


Ausbau der Ostbahn

Ein Netz ohne Rückgrat


Wie verletzlich der Schienenverkehr Richtung Polen tatsächlich ist, zeigt sich gerade jetzt besonders deutlich: Die jüngste Diskussion um eine absehbare längere Sperrung der Strecke Berlin–Frankfurt (Oder) macht offensichtlich, dass es keine überzeugende Ersatz- oder Umleitungslösung gibt. Fällt diese eine Verbindung aus, bricht der Schienenverkehr in Richtung Polen faktisch zusammen.

Genau deshalb, so PRO BAHN, dürfe die Ostbahn nicht länger als bloßes regionales Nebenprojekt behandelt werden.


Die zweite Achse liegt bereits auf der Landkarte


Die Strecke Berlin–Müncheberg–Kostrzyn ist die naheliegende zweite Schienenachse Richtung Polen. Ihr Ausbau würde zusätzliche Kapazitäten für Personen- und Güterverkehr schaffen, die einseitige Abhängigkeit vom Korridor über Frankfurt (Oder) verringern und die Resilienz des gesamten Schienennetzes spürbar stärken.

Besonders unverständlich wird die Vernachlässigung der Ostbahn vor diesem Hintergrund: Mit der neu gebauten Oderbrücke steht bereits ein wesentliches Bauwerk, das vorsorglich für eine spätere Elektrifizierung ausgelegt wurde. Die Infrastruktur ist also teilweise schon vorbereitet – nur die politische Priorisierung fehlt.


Das Problem liegt im Bewertungssystem


Für PRO BAHN liegt die eigentliche Ursache tiefer als im Einzelfall Ostbahn. Ein Bewertungssystem, das Resilienz, Umleitungsfähigkeit und zusätzliche Kapazitäten im Personen- und Güterverkehr nicht angemessen berücksichtigt, sei für ein Industrieland wie Deutschland schlicht nicht mehr tragbar.

Wer Schieneninfrastruktur nur nach heutigen Verkehrsprognosen bewertet, plant an der Realität vorbei – und nimmt künftige Ausfälle, Engpässe und Standortnachteile bewusst in Kauf. Resilienz und Redundanz im Netz sind keine „nice-to-have“-Kriterien, sondern angesichts von Streckensperrungen, Extremwetterereignissen und wachsendem grenzüberschreitendem Verkehr eine strategische Notwendigkeit.


Die Forderungen von PRO BAHN hinsichtlich der Ostbahn

PRO BAHN fordert deshalb konkret:

  1. Eine Neubewertung der Ostbahn, bei der Resilienz, Umleitungsfähigkeit und zusätzliche grenzüberschreitende Kapazität für Personen- und Güterverkehr ausdrücklich einbezogen werden.

  2. Eine ordentliche Instandhaltung der bestehenden Strecke, bis diese Neubewertung erfolgt ist – damit sie zuverlässig funktioniert und dem tatsächlichen Fahrgastaufkommen entsprechend bedient wird.

Es dürfe nicht sein, so der Verband, dass eine Strecke erst in ihrer Bedeutung abgewertet und zugleich im Alltag weiter vernachlässigt wird. Beides zusammen führt in eine Abwärtsspirale, aus der es ohne politisches Umdenken keinen Ausweg gibt.


Fazit

Die Debatte um die Ostbahn ist mehr als eine regionale Verkehrsfrage. Sie steht exemplarisch dafür, wie Deutschland mit der Widerstandsfähigkeit seiner Verkehrsinfrastruktur umgeht. Solange Bewertungsverfahren allein auf aktuelle Prognosen schauen und Resilienz außen vor lassen, bleiben Netze verletzlich – mit Konsequenzen, die im Ernstfall alle zu spüren bekommen: Reisende, Wirtschaft und der grenzüberschreitende Austausch mit Polen gleichermaßen.

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