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Keine Bahntickets von Wettbewerbern über den DB-Navigator

  • vor 5 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Wer im DB-Navigator oder auf bahn.de eine Verbindung sucht, bekommt in erster Linie DB-Produkte angezeigt – Tickets direkter Wettbewerber der Deutschen Bahn sucht man dort weiterhin vergeblich. Das hat die Bundesregierung jetzt in ihrer Antwort (21/7678) auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion (21/7451) bestätigt. Wir ordnen ein, was das für Fahrgäste bedeutet – und warum das Thema für uns als Fahrgastverband relevant bleibt.


Worum es geht


Im Rahmen des Sofortprogramms "Bessere Kundeninformation" hatten die Grünen bei der Bundesregierung nachgefragt, ob und wie sich der Vertrieb über die digitalen Endkundenkanäle der DB verändern soll. Die Antwort: An DB-Navigator und bahn.de werden mit Blick auf den Vertrieb keine Veränderungen vorgenommen. Im Grundsatz gelte, dass die DB AG in ihren eigenen Vertriebskanälen zunächst ihre eigenen Produkte verkauft und diese im Sinne der Kundschaft um Angebote von Verkehrsverbünden und Kooperationspartnern mit DB-Beteiligung ergänzt. Direkte Wettbewerber – etwa private Fernbus- oder Fernbahnanbieter – verkauft die DB AG nach eigener Aussage derzeit nicht. Nur wo eine gesetzliche Pflicht besteht, andere Anbieter als Reiseoption anzuzeigen, geschieht dies auch.


Durchgangstickets bleiben die Ausnahme


Ein zweiter Punkt der Antwort betrifft kombinierte Buchungen: Die Ausgabe echter Durchgangstickets über die Angebote mehrerer Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) hinweg ist laut Bundesregierung derzeit aus technischen wie fahrgastrechtlichen Gründen nicht möglich – dafür müssten die beteiligten EVU zunächst gesonderte Durchgangstarife vereinbaren. Bei kombinierten Verbindungen von DB AG und anderen über die DB vertriebenen EVU wird stattdessen ein Gesamtpreis angezeigt, der in einem einheitlichen Buchungs- und Bezahlvorgang gebucht werden kann. Ausgegeben werden anschließend, auf Basis des europäischen Industriestandards OSDM (Open Sales and Distribution Model), mehrere rechtlich eigenständige Einzeltickets der beteiligten Anbieter.


Nicht fahrbare Verbindungen: Verantwortung bleibt bei den EVU


Auf die Frage, wie künftig verhindert werden soll, dass der DB-Navigator nicht fahrbare Verbindungen anzeigt, verweist die Bundesregierung auf die Datengrundlage: Die Anzeige basiert auf Algorithmen, die auf den von den EVU gemeldeten Informationen aufbauen. Alle EVU seien verpflichtet, über die Reisendeninformationsplattform aktuelle und korrekte Daten bereitzustellen; ist diese Datenbasis korrekt, generierten die Fahrplanauskunftssysteme ausschließlich fahrbare Verbindungen. Kein bekanntes Auskunftssystem – auch der DB-Navigator nicht – sei jedoch in der Lage, die von den EVU gelieferten Daten selbst zu validieren oder zu korrigieren. Korrekte Informationen zu fahrbaren Verbindungen seien deshalb nur möglich, wenn die EVU selbst korrekte Daten liefern.


Keine Bahntickets von Wettbewerbern: Unsere Einordnung


Für Fahrgäste bedeutet das zunächst: Der DB-Navigator bleibt in erster Linie ein Vertriebskanal der DB AG, kein neutrales, anbieterübergreifendes Auskunfts- und Buchungssystem. Wer bewusst mit einem Wettbewerber fahren möchte, muss weiterhin gezielt dessen eigene App oder Website nutzen. Das mag aus Sicht der DB AG als Unternehmen nachvollziehbar sein, widerspricht aber dem Anspruch einer nutzerfreundlichen, verkehrsträger- und anbieterübergreifenden Mobilität, wie sie etwa mit dem Deutschlandticket oder der EU-Regulierung zu multimodalen Reiseinformationsdiensten eigentlich verfolgt wird.


Bemerkenswert ist zudem die Verantwortungsverteilung bei fehlerhaften Verbindungsangaben: Die Bundesregierung bestätigt im Kern, dass Fahrgäste sich auf die Korrektheit der im DB-Navigator angezeigten Verbindungen nicht verlassen können, wenn die Datenlieferung einzelner EVU fehlerhaft ist – ohne dass es eine Instanz gibt, die das systematisch prüft oder korrigiert. Das ist gerade bei knappen Umstiegszeiten oder Störungslagen ein reales Problem für Reisende.


Quelle: Deutscher Bundestag, hib-Meldung "Verkehr/Antwort" zur Antwort der Bundesregierung (BT-Drucksache 21/7678) auf die Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (BT-Drucksache 21/7451), "Keine Bahntickets von Wettbewerbern über den DB-Navigator".

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